Brake. Die Braker Zeitung stellte dem Landkreis Wesermarsch eine schriftliche Presseanfrage mit konkreten Fragen zu Bürgersprechstunden und Katastrophenschutz. Die Antwort kam ebenfalls schriftlich – allerdings im Kern mit einer klaren Botschaft: Wer die eigentlichen Auskünfte haben will, soll bitte persönlich erscheinen.

Genau darum geht es in diesem Fall: nicht um eine verweigerte Kontaktaufnahme, sondern um einen dokumentierten E-Mail-Verlauf zwischen der Braker Zeitung und der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landkreises vom 4. bis 14. September 2026. Ausgangspunkt waren zwei Recherchekomplexe: statistische Fragen zu den Bürgersprechstunden des Landrates sowie umfangreiche Sachfragen zum Katastrophenschutz.

Erster Vorschlag: Fragen zur Bürgersprechstunde in der Bürgersprechstunde klären

Am 4. September fragte die Braker Zeitung unter anderem nach Zahl und Auslastung der bisherigen Bürgersprechstunden, verfügbaren Gesprächsterminen, Themenfeldern und konkreten Ergebnissen. Die erste Antwort kam noch am selben Tag: Man beantworte die Fragen gern im Rahmen einer der nächsten Bürgersprechstunden und leite die Anfrage zur Terminfindung weiter.

Nach dem Hinweis, dass es sich um eine Presseanfrage mit statistischen und administrativen Fragen handele, wurde das Angebot erweitert. Ein persönliches Gespräch könne auch separat stattfinden. Ob Bürgersprechstunde oder eigener Termin, spiele keine Rolle.

„Es liegt in Ihrer Entscheidung, ob Sie unser Auskunftsangebot annehmen oder auf die Beantwortung Ihrer Fragen verzichten wollen.“ Landkreis Wesermarsch, 4. September 2026

Die Redaktion entschied sich für eine bis dahin offenbar nicht vorgesehene dritte Möglichkeit: die Fragen nicht zurückzuziehen und trotzdem um schriftliche Sachangaben zu bitten.

Zahlen schriftlich, Einordnung persönlich

Weil die offenen Anfragen zahlreiche Zahlen, Kosten, Kapazitäten, Zeiträume und weitere Einzeltatsachen enthielten, schlug die Braker Zeitung einen Mittelweg vor: konkrete Sach- und Zahlenangaben schriftlich, ergänzende Erläuterungen bei Bedarf in einem persönlichen Gespräch.

Am 9. September antwortete die Pressestelle erneut schriftlich. Man biete ein persönliches Gespräch an und werde dort ergänzende schriftliche Informationen aushändigen. Eine reine schriftliche Beantwortung sei aus Sicht des Landkreises nicht zielführend. Besonders die Fragen zum Katastrophenschutz beträfen teilweise kritische Infrastruktur und bedürften einer Einordnung.

Außerdem führte der Landkreis einen weiteren Vorteil des persönlichen Gesprächs an: Schriftliche Antworten hätten in der Vergangenheit zu vielen Nachfragen der Braker Zeitung geführt. Diese Nachfragen ließen sich durch ein persönliches Gespräch „ganz einfach vermeiden“.

Als Termin wurde der 16. September um 17 Uhr angeboten.

Schriftliche Informationen gibt es also durchaus. Man muss nur persönlich erscheinen, um sie zu bekommen.

Die Schriftform funktioniert weiterhin hervorragend

Der weitere Verlauf zeigt allerdings, dass die Verwaltung keineswegs grundsätzlich Schwierigkeiten mit längeren E-Mails hat. Die Redaktion fragte weiter schriftlich, ob die konkret abgefragten Zahlen und Einzeldaten schriftlich zur Verfügung gestellt würden. Die Pressestelle antwortete wiederum schriftlich.

Am 14. September erklärte Referat 90, die Herausgabe ergänzender schriftlicher Informationen verstehe sich bei Pressegesprächen von selbst. Der Eindruck, dieses Angebot werde erst jetzt gemacht, beruhe auf einer Fehlinterpretation „aus Unkenntnis heraus“.

Der zuvor reservierte Gesprächstermin sei zwischenzeitlich anderweitig vergeben worden. Das Informationsangebot bleibe bestehen. Abschließend hieß es, man stehe gern zur Verfügung, „sofern ein ernsthaftes journalistisches Interesse vorliegt“.

Damit war der Auskunftsweg inzwischen ausführlich beschrieben. Offen blieb weiterhin die einfache Frage, ob die konkret angefragten Zahlen, Kosten, Kapazitäten, Zeiträume und Einzeldaten auch ohne persönliche Anwesenheit schriftlich übermittelt würden.

Dann melden Sie sich wieder, wenn Sie genesen sind

Die Redaktion erklärte daraufhin, weshalb bislang kein persönlicher Termin vereinbart worden war: Ein Pressegespräch könne derzeit aus gesundheitlichen Gründen nicht wahrgenommen werden. Zugleich wurde angeboten, für die schriftliche Beantwortung der offenen Sachfragen einen längeren Zeitraum einzuräumen.

Auch darauf antwortete der Landkreis schriftlich.

„Dann schlage ich vor, Sie melden sich wieder, wenn Sie genesen sind.“ Das Auskunftsangebot bleibe selbstverständlich bestehen.

Damit lässt sich der Kommunikationsweg inzwischen erstaunlich präzise zusammenfassen:

Frage digital. Rückfrage digital. Terminabstimmung digital. Begründung für das persönliche Gespräch digital. Gute Besserung digital. Sachauskunft: möglichst persönlich.

Antwort ohne Antwort

Der Landkreis weist zutreffend darauf hin, dass persönliche Gespräche Einordnungen erleichtern können. Gerade beim Katastrophenschutz können einzelne Informationen zudem schutzwürdige Belange berühren. Der Streitpunkt im dokumentierten Verlauf war jedoch ein anderer: Die Redaktion hatte ausdrücklich angeboten, Einordnungen persönlich zu besprechen und lediglich konkrete Zahlen und Einzeltatsachen schriftlich zu erhalten.

Eine eindeutige Zusage zu diesem Mittelweg erhielt sie in der Korrespondenz nicht. Stattdessen entstand ein bemerkenswert umfangreicher Schriftwechsel darüber, warum die Auskunft nicht ausschließlich schriftlich erfolgen solle.

Die gute Nachricht lautet deshalb: Die Verwaltung hat geantwortet.

Die weniger gute: zunächst vor allem auf die Frage, wie sie antworten möchte.

Für E-Mails ist offenbar Zeit genug. Für Antworten auch.

Man muss nur dabei sein.